Brandlasten spielen bei der Bewertung von Brandrisiken und bei der Planung geeigneter Brandschutzmaßnahmen eine wichtige Rolle. Möbel, Kunststoffe, Kabel, elektrische Geräte oder Akkus können im Brandfall Energie freisetzen und damit die Brandentwicklung beeinflussen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob brennbare Materialien vorhanden sind, sondern auch, in welcher Menge sie auftreten, wo sie sich befinden und welche zusätzlichen Risiken von ihrer Nutzung ausgehen. Besonders relevant wird dies in sensiblen Gebäudebereichen wie Flucht- und Rettungswegen sowie bei der Integration elektrischer und digitaler Systeme.
Die Brandlast beschreibt vereinfacht das Wärmepotenzial der in einem betrachteten Bereich vorhandenen brennbaren Stoffe und Gegenstände. Dazu können Baustoffe und Einrichtungsgegenstände ebenso beitragen wie Kabel, Kunststoffe, elektronische Geräte und andere brennbare Komponenten. Die Brandlast ist dabei nicht mit dem Brandrisiko gleichzusetzen: Sie beschreibt zunächst das vorhandene energetische Potenzial brennbarer Materialien, nicht allein die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brand entsteht.
Was bedeutet Brandlast?
Unter Brandlast – auch Brandbelastung genannt – wird das Wärmepotenzial der brennbaren Stoffe verstanden, die sich innerhalb eines bestimmten Bereichs befinden. Je nach Betrachtung können dabei sowohl fest eingebaute Materialien als auch bewegliche Einrichtungsgegenstände und technische Komponenten relevant sein.
Zu typischen Brandlasten in Gebäuden gehören beispielsweise Möbel, Bodenbeläge, Kunststoffe, Papier und Textilien, Kabel und Leitungen sowie elektrische und elektronische Geräte.
Für die Brandschutzplanung ist die Brandlast von Bedeutung, weil vorhandene brennbare Materialien die mögliche Brandentwicklung und die im Brandfall freisetzbare Wärmemenge beeinflussen können.
Die reine Menge an Gegenständen reicht für eine fachliche Bewertung allerdings nicht aus. Entscheidend sind unter anderem die verwendeten Materialien, deren Eigenschaften, die räumliche Verteilung und die konkrete Nutzung des betrachteten Bereichs.
Typische Brandlasten im Gebäude
Brandlasten entstehen nicht nur durch klassische Einrichtungsgegenstände. Gerade in modernen Gebäuden kommen zahlreiche technische und elektronische Komponenten hinzu. Typische Beispiele sind:
Holz, Polster und Kunststoffe können die Brandlast eines Raumes erhöhen.
Akten, Bücher, Verpackungen und Textilien tragen zum Wärmepotenzial bei.
Kunststoffe finden sich in Einrichtungen, Verkleidungen und technischen Geräten.
Kabelisolierungen und weitere Bestandteile können zur Brandlast beitragen.
Monitore, Displays und Netzteile enthalten unterschiedliche brennbare Komponenten.
Lithium-Ionen-Akkus erfordern aufgrund ihrer gespeicherten Energie besondere Aufmerksamkeit.
Menge, Platzierung und Nutzung der Materialien beeinflussen die brandschutztechnische Bewertung.
Wie wird die Brandlast berechnet?
Für eine rechnerische Ermittlung werden die vorhandenen brennbaren Stoffe und Materialien systematisch erfasst. Vereinfacht betrachtet hängt das vorhandene Wärmepotenzial vor allem von der Menge eines brennbaren Stoffes und seinem Heizwert ab.
Wird die ermittelte Wärmemenge auf eine bestimmte Fläche bezogen, kann eine flächenbezogene Brandbelastung angegeben werden. Für konkrete brandschutztechnische Nachweise gelten jedoch definierte Verfahren und die jeweils einschlägigen Regelwerke.
Ein entsprechendes Regelwerk ist beispielsweise die DIN 18230-1 „Baulicher Brandschutz im Industriebau – Teil 1: Rechnerisch erforderliche Feuerwiderstandsdauer“. Sie ist insbesondere für den Industriebau relevant und sollte nicht pauschal als Berechnungsgrundlage für jede Gebäudeart verstanden werden.
Eine überschlägige Betrachtung der vorhandenen Materialien ersetzt keine fachgerechte Brandlastberechnung oder brandschutztechnische Bewertung. Welche Berechnungsmethode und welche Anforderungen anzuwenden sind, hängt unter anderem von Gebäudeart, Nutzung, Brandschutzkonzept und den jeweils einschlägigen Regelwerken ab.
Brandlast und Brandrisiko – was ist der Unterschied?
Brandlast und Brandrisiko beschreiben nicht dasselbe.
Die Brandlast betrachtet das vorhandene Wärmepotenzial brennbarer Stoffe und Gegenstände. Das Brandrisiko ist umfassender: Bei seiner Bewertung spielen zusätzlich mögliche Zündquellen, technische Defekte, Nutzungsbedingungen, organisatorische Faktoren und die möglichen Folgen eines Brandes eine Rolle.
Ein Raum kann beispielsweise zahlreiche brennbare Materialien enthalten, ohne dass daraus allein die Wahrscheinlichkeit einer Brandentstehung abgeleitet werden kann. Umgekehrt kann ein technisches Gerät trotz vergleichsweise geringer Materialmenge besonders relevant sein, wenn beispielsweise hohe Temperaturen, elektrische Fehler oder Energiespeicher als zusätzliche Risikofaktoren hinzukommen.
Eine sinnvolle Brandschutzplanung betrachtet deshalb Brandlast, mögliche Zündquellen und Nutzung immer im Zusammenhang.
Bei digitalen Informationssystemen reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich die Materialmenge eines Displays zu betrachten. Auch Netzteile, Kabel, Betriebsdauer, Wärmeentwicklung, Einbausituation und gegebenenfalls vorhandene Akkus können für die brandschutztechnische Bewertung relevant sein.
Brandlast durch elektrische Geräte und digitale Infrastruktur
Die Digitalisierung führt dazu, dass immer mehr elektrische und elektronische Systeme dauerhaft in Gebäude integriert werden. Dazu gehören beispielsweise Monitore, Digital-Signage-Systeme, Informationsdisplays, digitale Türschilder, Medientechnik und weitere elektronische Einrichtungen.
Solche Systeme können aus brandschutztechnischer Sicht in mehrfacher Hinsicht relevant sein. Einerseits enthalten sie Kunststoffe, Kabel und andere potenziell brennbare Materialien. Andererseits können elektrische Komponenten selbst mögliche Zündquellen darstellen – beispielsweise infolge technischer Defekte oder unzureichender Wärmeabfuhr.
Besonders bei dauerhaft betriebenen oder fest in Gebäudebereiche integrierten Systemen sollten deshalb Materialien, Einbausituation, Wärmeentwicklung und elektrische Komponenten gemeinsam betrachtet werden.
Monitore, Displays und Netzteile
Displays bestehen aus unterschiedlichen Werkstoffen und elektronischen Komponenten. Hinzu kommen Netzteile, Anschlussleitungen, Halterungen und gegebenenfalls weitere technische Komponenten.
Für die Planung ist deshalb nicht nur das sichtbare Display relevant, sondern das gesamte installierte System.
Kabel und elektrische Komponenten
Kabel und Leitungen können aufgrund ihrer Isolierungen und weiterer Bestandteile ebenfalls zur vorhandenen Brandlast beitragen.
Gleichzeitig müssen elektrische Installationen so geplant und ausgeführt werden, dass die jeweils geltenden technischen und brandschutzrechtlichen Anforderungen eingehalten werden.
Lithium-Ionen-Akkus
Bei Lithium-Ionen-Akkus kommt zur vorhandenen Material- und Energiemenge ein zusätzliches technisches Risiko hinzu. Beschädigungen, interne Fehler oder thermische Belastungen können unter ungünstigen Bedingungen zu einer starken Wärmeentwicklung führen.
Deshalb sollten Lagerung, Laden und Schutz von Akkus gesondert betrachtet werden. Das gilt insbesondere dort, wo größere Mengen von Smartphones, Tablets, Werkzeugakkus oder anderen mobilen Geräten genutzt, gelagert oder geladen werden.
Brandlasten in Flucht- und Rettungswegen
Flucht- und Rettungswege erfüllen im Gefahrenfall eine zentrale Sicherheitsfunktion. Sie sollen Personen ermöglichen, einen gefährdeten Bereich sicher zu verlassen, und müssen deshalb bei der Brandschutzplanung besonders berücksichtigt werden.
Zusätzliche Einrichtungen, Möbel, technische Geräte oder digitale Informationssysteme können die Situation in solchen Bereichen verändern. Dabei ist nicht allein die Brandlast entscheidend. Ebenso relevant sind mögliche Hindernisse, die sichere Nutzbarkeit des Fluchtweges sowie die jeweils geltenden bauordnungs- und arbeitsstättenrechtlichen Anforderungen.
Für Arbeitsstätten konkretisiert insbesondere die ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge“ Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge.
Die Aussage „In Fluchtwegen sind grundsätzlich keine Brandlasten erlaubt“ wäre zu pauschal. Entscheidend sind der konkrete Gebäudebereich, die Nutzung, das Brandschutzkonzept sowie die jeweils anzuwendenden bauordnungs- und arbeitsstättenrechtlichen Anforderungen.
Wie lassen sich Brandlasten und Brandrisiken reduzieren?
Brandlasten lassen sich nicht in jedem Gebäude vollständig vermeiden. Ziel einer brandschutzgerechten Planung ist deshalb, vermeidbare Brandlasten zu reduzieren und notwendige Einrichtungen so in das Gesamtkonzept zu integrieren, dass die jeweiligen Schutzziele eingehalten werden.
Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise:
- unnötige brennbare Materialien vermeiden,
- geeignete bzw. nicht brennbare Materialien einsetzen, soweit dies erforderlich und sinnvoll ist,
- elektrische Installationen fachgerecht planen,
- Wärmestau bei technischen Geräten vermeiden,
- Kabel und Leitungen fachgerecht führen,
- Akkus entsprechend ihrer Nutzung sicher lagern und laden,
- sensible Gebäudebereiche besonders berücksichtigen,
- technische Einrichtungen regelmäßig kontrollieren und warten,
- projektspezifische Brandschutzlösungen frühzeitig in die Planung einbeziehen.
Welche Maßnahmen tatsächlich erforderlich sind, lässt sich jedoch nicht allein aus der Brandlast ableiten. Maßgeblich ist immer die Gesamtbetrachtung des jeweiligen Gebäudes und seiner Nutzung.
Brandlasten bei der Brandschutzplanung berücksichtigen
Brandlasten sollten möglichst früh in die Planung eines Gebäudes oder einer technischen Installation einbezogen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn neue digitale Systeme in bestehende Gebäude integriert oder vorhandene Bereiche nachgerüstet werden.
Architekten und Fachplaner müssen dabei verschiedene Faktoren zusammenführen: die Gebäudenutzung, vorhandene Materialien, Flucht- und Rettungswege, elektrische Installationen, technische Systeme und die jeweiligen brandschutzrechtlichen Anforderungen.
Gerade bei Monitoreinbauten, Digital Signage und anderen digitalen Informationssystemen kann eine frühzeitige Abstimmung helfen, spätere Planungsänderungen zu vermeiden und eine technisch wie gestalterisch geeignete Lösung zu entwickeln.
Je früher digitale Technik in das Brandschutzkonzept einbezogen wird, desto besser lassen sich Einbauort, Materialien, Wärmeabfuhr, Kabelführung und gegebenenfalls erforderliche Schutzmaßnahmen aufeinander abstimmen.
Brandschutzlösungen von Kordial
Kordial entwickelt projektbezogene Brandschutzlösungen für die Integration moderner Technik in öffentliche, gewerbliche und sicherheitsrelevante Gebäude.
Dazu gehören unter anderem Brandschutzgehäuse für Displays und Medientechnik, Brandschutzmöbel, Brandschutzboxen sowie individuelle Sonderlösungen für besondere Projektanforderungen.
Welche Lösung geeignet ist, hängt immer vom Einbauort, der Gebäudenutzung, den technischen Anforderungen und dem jeweiligen Brandschutzkonzept ab.
Häufige Fragen zur Brandlast
Was versteht man unter Brandlast?
Die Brandlast beschreibt vereinfacht das Wärmepotenzial der in einem betrachteten Bereich vorhandenen brennbaren Stoffe und Gegenstände. Dazu können beispielsweise Möbel, Kunststoffe, Kabel sowie elektrische und elektronische Geräte gehören.
Was ist der Unterschied zwischen Brandlast und Brandrisiko?
Die Brandlast beschreibt das vorhandene Wärmepotenzial brennbarer Materialien. Das Brandrisiko berücksichtigt darüber hinaus weitere Faktoren wie mögliche Zündquellen, technische Bedingungen, die Nutzung eines Bereichs und mögliche Auswirkungen eines Brandes.
Wie wird eine Brandlast berechnet?
Bei einer rechnerischen Betrachtung werden die vorhandenen brennbaren Stoffe, ihre Mengen und ihre energetischen Eigenschaften berücksichtigt. Welche konkrete Berechnungsmethode anzuwenden ist, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall und den einschlägigen Regelwerken ab.
Welche Materialien erhöhen die Brandlast?
Zur Brandlast können unter anderem Holz, Papier, Textilien, Kunststoffe, Kabelisolierungen sowie brennbare Bestandteile von Möbeln und technischen Geräten beitragen. Entscheidend sind die vorhandenen Materialien, ihre Menge und die konkrete Einbausituation.
Stellen elektrische Geräte eine Brandlast dar?
Elektrische Geräte können brennbare Materialien wie Kunststoffe, Kabelisolierungen und elektronische Komponenten enthalten und damit zur Brandlast beitragen. Zusätzlich können technische Defekte oder eine unzureichende Wärmeabfuhr das Brandrisiko beeinflussen.
Sind Monitore und Displays Brandlasten?
Monitore und Displays enthalten unterschiedliche Materialien und elektronische Komponenten, die bei einer brandschutztechnischen Bewertung relevant sein können. Entscheidend ist dabei nicht nur das Gerät selbst, sondern auch die konkrete Einbau- und Nutzungssituation.
Warum sind Brandlasten in Flucht- und Rettungswegen besonders relevant?
Flucht- und Rettungswege erfüllen eine zentrale Sicherheitsfunktion. Zusätzliche Einrichtungen und technische Systeme müssen deshalb im Zusammenhang mit der konkreten Gebäudesituation, dem Brandschutzkonzept und den jeweils geltenden Anforderungen bewertet werden.
Wie lassen sich Brandlasten reduzieren?
Vermeidbare brennbare Materialien können reduziert, geeignete Materialien ausgewählt und technische Einrichtungen brandschutzgerecht geplant werden. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Gebäude, seiner Nutzung und dem zugrunde liegenden Brandschutzkonzept ab.
Digitale Infrastruktur brandschutzgerecht planen
Digitale Systeme stellen besondere Anforderungen an die brandschutzgerechte Gebäudeplanung. Kordial unterstützt Architekten, Fachplaner und Unternehmen bei der Integration von Displays, Medientechnik und weiteren elektrischen Systemen in brandschutztechnisch sensible Gebäudebereiche.
Mit projektspezifischen Brandschutzlösungen lassen sich technische Anforderungen, Gestaltung und Brandschutz bereits in einer frühen Planungsphase aufeinander abstimmen.